Junge Stimmen am Werk

12. Juni 2022 künstlerrisch

Der Wert eines Auftrittes, für den angehenden Sänger oder Sängerin, ist es sehr groß. Einerseits wird das bereits Gelernte befestigt und anderseits werden die darstellenden Fertigkeiten vor dem Publikum geübt. Es ist auch eine gute Möglichkeit und ein sehr wirksames Training, um Auftrittsängste zu bekämpfen. Es ist nicht nur für diejenigen wichtig, die eine Gesangskarriere anstreben, sondern auch für jene, die die Ausdrucksmöglichkeit der Stimme entfalten wollen. Der menschliche Körper ist sehr anpassungsfähig und passt sich somit nach einiger Zeit an die Unterrichtssituation an. Die Übungen, die mit dem Lehrer gesungen werden, werden bald zu Gewohnheit. Auch die Akustik des Unterrichtsraumes wird mit der Zeit sehr vertraut. Diese Faktoren wirken so stark, daß im Unterricht sehr oft etwas gelingt, das möglicherweise noch nicht so gut gefestigt ist. Es kann alles sein; die Stütze, die Intonation, der Stimmsitz, ein bestimmter Ton, oder Skala. Es kann auch das Gegenteil der Fall sein, was auch sehr oft vorkommt. So werden erst mit der Aufregung und der Konzentration die Emotionen viel intensiver, wodurch die Stimme anders, sogar größer klingt. Vielleicht auch kommt der Ausdruck dann ganz aus der Tiefe, in einer so menschlichen Weise, genau wie es das Publikum es hören will. Erst beim Auftritt unter Lampenfieber, welches eher sehr positiv zu betrachten ist, sollte ersichtlich werden, was wirklich sitzt oder nicht. Es ist immer sehr schön zu beobachten und erleben, wie sich die SängerInnen steigern. Darum müssen die Vorbereitung dafür sehr fundiert und sicher sein. Diese Möglichkeit bietet die Reihe „Junge Stimmen am Werk“ für junge Sänger und Sängerinnen. Das erste Konzert dieser Reihe fand am 12. Juni 2022, im MusikQuartier an der Mariahilferstraße in Wien, statt. In den zwei Jahren davor, hatten die junge SängerInnen, bedingt durch die Pandemie, kaum die Möglichkeit gehabt, vor einem Publikum zu üben.

Trotzdem waren die Leistungen, die sie bei diesem Konzert erbrachten, großartig. Es war ein sehr gelungener Nachmittag, mit sehr unterschiedlichen Werken der Gesangsliteratur. Eine Auswahl von Arien aus Opern, Kunstliedern, als auch Musical und Unterhaltung, wie z.B.: die Arie der Cleopatra „Pinagerò“ von G.F.Händel, die Arie der Serpina „Stizzoso, mio stizzoso“ von G. B. Pergolesi, die Arie des Leporello „Notte giorno“ von W. A. Mozart, die Arie des Ännchen „Kommt ein schlanker Bursch“ von C. M. von Weber, die Arie der Susanne „De Vieni non tardar“ von W. A. Mozart, die Arie der Zerlina „Batti, batti“ von W. A. Mozart, die Arie der Norina „Quel guardo il Cavaliere“ von G. Donizetti, „Der Mond“ von F. Mendelssohn, „Ganymed“ von F. Schubert, „Die Lotosblume“ von R. Schumann und viele mehr. Das ganze Programm wurde von Junko Tsuchiya am Klavier begleitet, eine sehr einfühlsame Pianistin für Gesang. Dies war die erste Veranstaltung, die vom vibria | Kunst- und Kulturverein organisiert und veranstaltet worden ist. Das Ziele des Vereins, der vor kurzem von meinem Mann und mir gegründet wurde, ist die Förderung von Kunst und Kultur, mit Weltoffenheit und Interdisziplinarität. Wir freuen uns sehr auf die Fortsetzung der Reihe „Junge Stimmen am Werk“.